Hirnforschung und Meditation

Martin Falk
Verfasst am: 17.06.2008, 00:00
Liebe Altruisten und alle, die es werden wollen!
Kaufen, lesen und lernen, dass "reines Gewahrsein" oder "reine Kognition" aus buddhistischer Perspektive immer das Potential zur Veränderung hat (Ricard, S.12) - und am Ende des Buches spürt man durch die gepflegte Leere der Argumente die weiße Wand der Sackgasse.(Ricard kann es noch ganz gut, weil er als ehemals bedeutender Molekularbiologe seinen Geist zur Gründlichkeit konditionierte.)
Bei jeder tiefer gehenden Argumentation beleuchten Singers Bedenken, Nachfragen, Erläuterungen und Berichte eine farbige Forschung am Organ des Geistes.
Ricard hingegen liebt die Redundanz des Reinen, auffällig oft beschreibt er menschliches Verhalten in Schwarz-Weiß-Tönen: Wut und Haß vs. Altruismus und Liebe; als Vergleich dient häufig "fabelhafte" Natursymbolik: Krähen vs. Adler; Tonerde, Spiegelungen, Feuer, Wasser, nahrhafte Früchte und giftige Gewächse. Selbst Ricards Berichte über neuronale Vorteile der Meditierer bei diversen Tests haben pastorale Oberschwingungen, die auch der "Bayernkurier" anschlagen würde, wenn er von der Standhaftigkeit frommer Katholiken berichten müsste.
Dabei will Ricard ja nur, dass man ihm abnimmt, mittels Meditation ein besserer Mensch werden zu können.
Warum das besser in langfristiger Klausur gehen sollte, kann auch die längste Introspektion nicht entdecken - es fehlt halt die Interaktion mit der bewußtseinsunabhängigen Wirklichkeit.
Singer fragt am Ende, wann die offenen Fragen weiter diskutiert werden sollten - vielleicht war Singer da etwas zu altruistisch, er weiß es doch besser: kluge Bücher über Hirnforschung lesen!
Erst recht, wenn sie von ihm sind.
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