Fortuna und Kalkül - Zwei mathematische Belustigungen
Hans Magnus Enzensberger

Fortuna und Kalkül

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Erschienen: 22.06.2009
71 Seiten, Broschur

D: 10,00 €
A: 10,30 €
CH: 14,90 sFr
ISBN: 978-3-518-26022-7

Auf einen Blick

Zusammenfassung

Von Beginn an hat die Menschheit Praktiken erfunden, um mit den scheinbar unberechenbaren Wechselfällen ihrer Existenz fertigzuwerden. Mit den alten Beschwörungsformeln der Schamanen und Magier aber hat die Moderne sich nicht zufriedengeben wollen. So trat an die Stelle von Aberglauben und Unvernunft das Kalkül, und nicht mehr vom Schicksal war die Rede, sondern vom Zufall.

Die Mathematiker entwickelten Modelle, die beim Glücksspiel ebenso von Nutzen sein sollten wie bei gewichtigeren Vorhersagen. "Wahrscheinlichkeitstheorie" wurde das Zauberwort, mit dem das Unbekannte beherrscht, mindestens aber in Formeln gebannt werden sollte.

Hans Magnus Enzensberger folgt auf ebenso ernsthafte wie amüsante Weise der Geschichte der mathematischen Theorien, die uns Sicherheit und Glück verschaffen wollen: von der Gaußschen Normalverteilung bis zur Wettervorhersage, von der Versicherungsmathematik und der Prognose von Aktienkursen bis zur aktuellen global gescheiterten Risikovermeidung. Hier, aber auch bei Abenteuerreisen und den mathematisch berechenbaren Erfolgsaussichten der Partnersuche, ist und bleibt es prekär mit unserem Glück bestellt. Und wo schließlich der Begriff des Unendlichen ins Spiel kommt, zeigt auch die Mathematik metaphysische Mucken. In Gott sah Leibniz den größten aller Mathematiker, und Kurt Gödel, einer der bedeutendsten Mathematiker des 20. Jahrhunderts, hat sogar versucht, den im Mittelalter erdachten ontologischen Gottesbeweis mit Hilfe der Prädikatenlogik hieb- und stichfest zu machen.

"Scheinbar ist es der klassischen Theorie gelungen, Wahrscheinlichkeit beim Würfelspiel oder bein Münzenwurf exakt zu berechnen. allerdings setzt dies nicht nur ideale Münzen und Würfel voraus, wie sie in der realen Welt nicht existieren, sondern das Kalkül unterliegt auch dem Gesetz der großen Zahl. Nur wenn das Experiment beliebig oft wiederholt wird, stellt sich der berechnete Grenzwert ein. Leider sitzt aber niemand unendlich lang am Spieltisch, schon weil das menschliche Leben ziemlich kurz ist."