Der cartesische Taucher - Drei Meditationen
Durs Grünbein

Der cartesische Taucher

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Erschienen: 20.04.2008
143 Seiten, Broschur

D: 10,00 €
A: 10,30 €
CH: 18,00 sFr
ISBN: 978-3-518-26007-4

Auf einen Blick

Zusammenfassung

Hinter einem großangelegten Werk mit dem noch viel größeren Titel »Le Monde« verbirgt sich das ehrgeizigste Projekt des Philosophen René Descartes: In diesem Werk sollten sämtliche getrennten Wissensfäden zusammenlaufen und ein Gewebe ergeben, so dicht gewirkt, daß damit alles unter der Sonne erklärt wäre. Was den Dichter Durs Grünbein zu diesem cartesischen Universum hinzieht, ist gerade nicht der Triumph nüchterner Rationalität. Das Traumhafte jenes Traumprojekts fesselt ihn, das Phantastische hinter den abstrakten Begriffen, der spekulative Höhenflug, den Descartes sich über seinen naturwissenschaftlichen Hypothesen erlaubt, die Spur des Experimentators durchs Dickicht der allerheiligsten Mysterien – kurzum: das Bildermachen, Fabulieren mit und jenseits aller Methode.

Wieviel Mensch steckt in Descartes' reinem Erkenntnis-Ich? Wieviel Anschauung verschwindet in strenger Vivisektion? Ist der Geist nicht dennoch das bewegende Grundprinzip, die causa prima des Universums? Wenn Dante der Descartes der Metapher war, war dann nicht Descartes – der Dante der neuzeitlichen Wissenschaft? Mit seinem Vers-Roman über Descartes (Vom Schnee, 2003) hatte Durs Grünbein eine bezaubernde poetische Version des Themas gegeben. Nun fügt sich ein erzählerisch angelegter Essay in drei Meditationen zur Verteidigungsschrift für einen der meistgehaßten Philosophen. Dabei findet sich am Gegenpol des heliozentrischen Weltbildes zugleich der Ursprung des modernen poetischen Ichs.


www.edition-unseld.de

Leserstimmen

Martin Falk
Verfasst am: 28.01.2009, 00:27
Drei Marginalien:

Erstens: Schöneres im Umgang mit Biographischem ist rar.
Durs Grünbeins Nomen ist Omen für die "Wechselwirkung des Menschseins" (S. 102), die "Doppelnatur von Psyche und Physis" ist mit Methoden der Literatur beweisbar.
Zweitens: Aber die schwer zu überbrückende Erklärungslücke im Vorgang der Erkenntniskonstruktion (Geist vs. Synapsengeflecht) lässt zur Zeit noch offen, ob der Cartesische Taucher eventuell hier doch nur gebadet hat - auf jeden Fall ist es echte Wellness!
Drittens: Grünbeins Credo (S. 106 nach einer beeindruckend knappen Reflexion aktueller Hirnforschung), "Er" sei nicht das Materielle (der Wissenschaft), steht somit in der Tradition der Mißverständnisse, die eben mit Descartes` Denken kritisch wurde: Wir sind nicht das, was wir glauben!

Ergo: Fleißiges Bienchen sein - sum(m), sum(m), sum(m) ...
z.B.: Pauen und Roth (edition unseld 12) helfen weiter beim Brückenbau;
und Grünbeins Talente könnten aus Rizzolattis Spiegelneuronengeflecht(eu 11) einen Thriller der Erkenntnis machen.


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