Hirnforschung und Meditation - Ein Dialog
Wolf Singer, Matthieu Ricard

Aus dem Englischen von Susanne Warmuth und Wolf Singer

Hirnforschung und Meditation

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Erschienen: 20.04.2008
133 Seiten, Broschur

D: 10,00 €
A: 10,30 €
CH: 14,90 sFr
ISBN: 978-3-518-26004-3

Auf einen Blick

Zusammenfassung

Wolf Singer ist einer der weltweit führenden Hirnforscher. Matthieu Ricard war Molekularbiologe, wurde dann buddhistischer Mönch – und Bestsellerautor. Für dieses Buch treten beide in einen Dialog über die Beziehung zwischen Hirnforschung und Bewußtseinstraining. Sie sprechen darüber, welche mentalen Zustände mit meditativen Praktiken herbeigeführt werden sollen, welche neuronalen Vorgänge diesen zugrunde liegen, und sie fragen, ob regelmäßiges Meditieren zu nachweisbaren Veränderungen von Hirnfunktionen führt. Ihr Buch leistet einen wichtigen Beitrag dazu, den Austausch zwischen Naturwissenschaften und den kontemplativen Wissenschaften anzuregen, denn Buddhismus wird hier als eine »Wissenschaft über den Geist« verhandelt und nicht als eine Religion. Ein Thema, das in der Diskussion zentral behandelt wird, sind die Methoden, mit denen der Geist und menschliche Werte trainiert werden können, zum Beispiel Aufmerksamkeit, Altruismus, emotionale Ausgeglichenheit und Glück. Darüber hinaus sprechen Singer und Ricard über die Langzeitwirkungen solchen Trainings. Die Fähigkeit des Gehirns, sich an veränderte Umstände anzupassen, wird meist im Kontext sich verändernder Außenbedingungen untersucht, aber bei der Meditation kommen die Impulse von innen und sollen eine systematische Veränderung der eigenen mentalen Dispositionen bewirken, und folgerichtig wird die Frage gestellt, ob sich zentrale Fragen über die menschliche Natur überhaupt mit neurowissenschaftlichen Erkenntnissen verbinden lassen.
www.edition-unseld.de

Leserstimmen

Martin Falk
Verfasst am: 17.06.2008, 00:00
Liebe Altruisten und alle, die es werden wollen!
Kaufen, lesen und lernen, dass "reines Gewahrsein" oder "reine Kognition" aus buddhistischer Perspektive immer das Potential zur Veränderung hat (Ricard, S.12) - und am Ende des Buches spürt man durch die gepflegte Leere der Argumente die weiße Wand der Sackgasse.(Ricard kann es noch ganz gut, weil er als ehemals bedeutender Molekularbiologe seinen Geist zur Gründlichkeit konditionierte.)
Bei jeder tiefer gehenden Argumentation beleuchten Singers Bedenken, Nachfragen, Erläuterungen und Berichte eine farbige Forschung am Organ des Geistes.
Ricard hingegen liebt die Redundanz des Reinen, auffällig oft beschreibt er menschliches Verhalten in Schwarz-Weiß-Tönen: Wut und Haß vs. Altruismus und Liebe; als Vergleich dient häufig "fabelhafte" Natursymbolik: Krähen vs. Adler; Tonerde, Spiegelungen, Feuer, Wasser, nahrhafte Früchte und giftige Gewächse. Selbst Ricards Berichte über neuronale Vorteile der Meditierer bei diversen Tests haben pastorale Oberschwingungen, die auch der "Bayernkurier" anschlagen würde, wenn er von der Standhaftigkeit frommer Katholiken berichten müsste.
Dabei will Ricard ja nur, dass man ihm abnimmt, mittels Meditation ein besserer Mensch werden zu können.
Warum das besser in langfristiger Klausur gehen sollte, kann auch die längste Introspektion nicht entdecken - es fehlt halt die Interaktion mit der bewußtseinsunabhängigen Wirklichkeit.
Singer fragt am Ende, wann die offenen Fragen weiter diskutiert werden sollten - vielleicht war Singer da etwas zu altruistisch, er weiß es doch besser: kluge Bücher über Hirnforschung lesen!
Erst recht, wenn sie von ihm sind.
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