In den letzten Jahrzehnten haben die Naturwissenschaften immer mehr die Deutungshoheit über das Wesen des Menschen und der Welt gewonnen. Das ist zu einer Herausforderung für die Geisteswissenschaften geworden, die sich an diesem Diskurs zu beteiligen haben. Die edition unseld will die Frage nach dem Für und Wider einer naturalistischen Weltsicht diskutieren, der durch Naturwissenschaft und Technologie bewirkte Wandel unseres Weltgefühls soll beschrieben, erklärt und vorausgedacht werden. Dies kann nur gelingen, wenn die Geistes- und Naturwissenschaften miteinander in Dialog treten. Die edition unseld soll deshalb den Austausch zwischen den verschiedenen Wissensbereichen, von der Physik, der Mathematik und der Neurowissenschaft bis zur Philosophie, der Wissenssoziologie, der Technik- und Medienkritik, anregen, vertiefen und einem breiten Leserkreis zugänglich machen. In der großen essayistischen Tradition von Schrödinger, Heisenberg, Eddington, Bohr, Pauli und Dirac will die edition unseld Berührungspunkte zwischen den Disziplinen aufgreifen und zur genauen Wahrnehmung ermutigen. Daß Natur-, Kultur- und Geisteswissenschaften einander bedürfen, um sinnvoll betrieben werden zu können, war für Universalgelehrte wie Goethe, Humboldt oder Helmholtz selbstverständlich. Die rasanten Fortschritte der Naturwissenschaften im letzten Jahrhundert brachten jedoch eine Entfremdung zwischen den Disziplinen mit sich, die es nun dringend zu überwinden gilt. In einer Zeit, in der die jahrhundertealte naturwissenschaftliche Erkenntnis, daß die Wahrheit die Übereinstimmung mit der Natur ist, zur Disposition stehen könnte, müssen die Naturwissenschaften den Blick über ihren Forschungshorizont hinauslenken, müssen die Geisteswissenschaften diesen Blick erwidern. Zuspitzende Essays, Interview und Gesprächsbände und interpretierend kommentierte kanonische Texte sollen eine neue Auseinandersetzung zwischen den Disziplinen provozieren. Unterstützt wird das Vorhaben durch einen Beirat aus Wissenschaftlern und Medienvertretern und eine Partnerschaft mit dem Nachrichtenportal Spiegel Online. Der Start der neuen Reihe wird begleitet von den unseld lectures an der Universität Tübingen, zu denen Autoren der edition unseld eingeladen werden.